Der FDP-Stadtverband Wolfenbüttel hat gemeinsam mit Mitgliedern des Kreisverbandes Braunschweig die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel besucht. Im Mittelpunkt stand eine Führung durch das Dokumentationszentrum unter der Leitung des pädagogischen Mitarbeiters Dr. Gustav Partington sowie ein anschließender Austausch mit der stellvertretenden Leiterin Simona Häring.
Die FDP-Delegation erhielt Einblicke in die Geschichte des Strafgefängnisses und die Rolle der Justiz im Nationalsozialismus. Zwischen 1933 und 1945 wurde das Gefängnis zur Inhaftierung und Hinrichtung politischer Gegner und Andersdenkender genutzt – insgesamt 526 Menschen wurden dort getötet. „Es ist erschütternd, sich mit den Schicksalen der Opfer auseinanderzusetzen“, sagt FDP-Vorstandsmitglied Finn Dieckmann, der in der Gedenkstätte sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und dort vorrangig in der pädagogischen Bildungsarbeit tätig ist.
Der Austausch machte deutlich, wie wichtig die Bildungsarbeit der Gedenkstätte ist. Vor allem durch Kooperationsvereinbarungen mit Schulen aus der Region besuchen auch regelmäßig Schulklassen die Einrichtung. Gleichzeitig sieht die FDP hier weiteres Potenzial: Noch nicht alle Lehrkräfte nutzten diese Möglichkeit. Aus Sicht der Liberalen ist es jedoch zentral, jungen Menschen die nationalsozialistische Geschichte greifbar zu vermitteln und so einen wichtigen Beitrag zur politischen Willensbildung zu leisten. Die Geschichte des Strafgefängnisses Wolfenbüttel zeige eindrücklich, wie staatliche Institutionen im Nationalsozialismus für Unrecht instrumentalisiert wurden. Daraus erwachse die Verantwortung, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und den Schutz der Grundrechte heute konsequent zu verteidigen.
„Hier wird sehr anschaulich dargestellt, wie aus einem liberalen Rechtsstaat ein autoritäres System mit willkürlichen Todesurteilen wurde. Der Besuch regt auch dazu an, kritisch auf aktuelle Entwicklungen weltweit zu schauen. Er sollte zum Pflichtprogramm für jeden Wolfenbütteler Schüler gehören. Die vielen Exponate in der Dauerausstellung dürften aber auch allen anderen neue Einblicke geben”, so Pierre Balder, Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes.


